{"id":663,"date":"2024-06-16T15:47:23","date_gmt":"2024-06-16T14:47:23","guid":{"rendered":"https:\/\/padereducation.de\/?p=663"},"modified":"2024-06-17T04:55:05","modified_gmt":"2024-06-17T03:55:05","slug":"lesen-auf-dem-display-oder-mit-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/padereducation.de\/?p=663","title":{"rendered":"Lesen auf dem Display oder mit Papier?"},"content":{"rendered":"<span class=\"span-reading-time rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesedauer<\/span> <span class=\"rt-time\"> 7<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span>\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage stellt sich nicht zuletzt nach der Technisierungsinitiative deutscher Schulen in den letzten Jahren. Wenn es darum geht Informationen zur weiteren Verarbeitung aufzunehmen stehen viele Lehrkr\u00e4fte, Eltern und Sch\u00fcler*innen vor der Frage \u201eDisplay oder Papier? In Norwegen hat Anne Mangen sich bereits im <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/2244249\/Mangen_A_2008_Hypertext_fiction_reading_haptics_and_immersion\">Jahr 2008<\/a> <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-3415-1881\">vielfach dieser Fragestellung<\/a> angenommen und sie <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/8526922\/Mangen_A_2016_The_digitization_of_literary_reading_Contributions_from_empirical_research\">2016<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0360131520300610?via%3Dihub\">2020<\/a> weiter im Blick behalten. Stellt man alle drei Publikationen in einen Zusammenhang, so ergeben sich daraus unserer Meinung nach einige Gr\u00fcnde, Informationen auf der Basis einer gedruckter Form aufzunehmen. Diese Gr\u00fcnde m\u00f6chten wir hier als Impuls in die Debatte einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5 Gr\u00fcnde f\u00fcr das Lesen von B\u00fcchern in gedruckter Form<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Bessere Leseverst\u00e4ndnis:<\/strong><br>Kinder erzielen bessere Ergebnisse im Leseverst\u00e4ndnis, wenn sie Texte auf Papier lesen im Vergleich zu Bildschirmen. Dies gilt besonders f\u00fcr narrative und informationsbasierte Texte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Reduzierte Ablenkungen:<\/strong><br>Gedruckte B\u00fccher bieten eine ablenkungsfreie Leseumgebung ohne die st\u00e4ndigen Unterbrechungen durch Benachrichtigungen, Hyperlinks oder Pop-ups. Dies f\u00f6rdert die Konzentration und erm\u00f6glicht eine tiefergehende gedankliche Auseinandersetzung, und damit ein besseres Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Ergonomische Vorteile und physische Interaktion:<\/strong><br>Die physische Interaktion mit einem Buch, wie das Umbl\u00e4ttern der Seiten, unterst\u00fctzt das Ged\u00e4chtnis und die Verarbeitung des Gelesenen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Tiefere kognitive Verarbeitung:<\/strong><br>Gedruckte B\u00fccher f\u00f6rdern eine tiefere kognitive Verarbeitung, da sie die r\u00e4umliche Orientierung und das Erinnern von Informationen unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Vorteile f\u00fcr leistungsstarke Leserinnen:<\/strong><br>Leistungsstarke Leserinnen profitieren indirekt besonders vom Lesen auf Papier. Untersuchungen haben gezeigt, dass f\u00fcr diese Gruppe ein Aufnehmen von Informationen in digitaler Form signifikant nachteilig sein kann (siehe <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0360131520300610?via%3Dihub\">Mangen 2020<\/a> (Seite 10 im pdf-Dokument) bzw. die deutsche \u00dcbersetzung am Ende dieses Textes).<\/p>\n\n\n\n<p><br>Oder andersherum formuliert: <strong>5 Gr\u00fcnde gegen das Lesen auf Bildschirmen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Schlechteres Leseverst\u00e4ndnis:<\/strong><br>Das Leseverst\u00e4ndnis ist auf Bildschirmen im Durchschnitt schlechter, was sich negativ auf die Informationsverarbeitung und somit auf das Lernen auswirkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. H\u00f6here kognitive Belastung durch Scrollen:<\/strong><br>Das Scrollen auf Bildschirmen kann die kognitive Belastung erh\u00f6hen und die F\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigen, den Text strukturell zu erfassen und somit zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Negative Auswirkungen vor allem auf leistungsstarke Leserinnen:<\/strong><br>Leistungsstarke weibliche Lernende sind besonders benachteiligt beim Lesen auf Bildschirmen (siehe <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0360131520300610?via%3Dihub\">Mangen 2020<\/a> (Seite 10 im pdf-Dokument) bzw. die deutsche \u00dcbersetzung am Ende dieses Textes).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Mehr fehlende Antworten unter Zeitdruck:<\/strong><br>Kinder haben tendenziell mehr unbeantwortete Fragen am Ende von bildschirmbasiertem Lesen im Vergleich zum Papier-Lesen. Dies kann auch auf eine ineffizientere Lesestrategie hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Geringere metakognitive F\u00e4higkeiten:<\/strong><br>Kinder entwickeln m\u00f6glicherweise weniger effektive metakognitive Strategien beim Lesen auf Bildschirmen, was die F\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt, ihr Verst\u00e4ndnis zu regulieren und zu \u00fcberwachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konsequenzen f\u00fcr das p\u00e4dagogische Handeln<\/strong><br>Hieraus ergeben sich nat\u00fcrlich weitere Fragen, die es im Bildungssystem zu hinterfragen gilt:<br>Wann ist die Aufnahme von Informationen von Displays (display-reading) zur Weiterverarbeitung \u00fcberhaupt notwendig? Klar, es ist organisatorisch leichter einen Informationstext im OneNote-Kursnotizbuch zu hinterlegen oder ihn in Form einer pdf-Datei zu droppen. Aber wie die obigen Untersuchungen \u00fcber die Jahre hinweg zeigen ist dies vor allem aus Lernforschungssicht nur gelegentlich und vor allem mit neuen Lesestrategien sinnvoll. Es stellt sich also die Frage, wie vor allem die Lehrerschaft auf dieses Dilemma der Arbeitserleichterung vs. Lernf\u00f6rderlichkeit reagiert. <br><br>Nicht immer gibt es die Wahl zwischen einer Display- und einer Papierfassung. Daraus ergib sich die Notwendigkeit Strategien zur Verbesserung des Leseverst\u00e4ndnisses auf Displays zu entwickeln. Als Diskussionsgrundlage m\u00f6chten wir hier einige Strategien vorstellen, die ein Konglomerat diverser Forschungsergebnisse sind:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Metakognitive Strategien<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Selbst\u00fcberwachung und Fragen stellen<\/strong>: Studien haben gezeigt, dass metakognitive Strategien, wie das \u00dcberwachen des eigenen Leseprozesses und das Stellen von Fragen, das Verst\u00e4ndnis und die Erinnerungsf\u00e4higkeit verbessern. <a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/doiLanding?doi=10.1037%2Fa0022086\">Ackerman und Goldsmith (2011)<\/a> fanden heraus, dass Studierende, die ihren Leseprozess \u00fcberwachten und reflektierten, besser im Leseverst\u00e4ndnis abschnitten. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Welche Strategien zur \u00dcberwachung des eigenen Leseprozesses wenden wir in unserer Bildungseinrichtung bereits an? Das Praxisbeispiel 32 \u201eTextverst\u00e4ndnis vertiefen mit Strategiepunkten und Quiz\u201c aus \u201eLernen sichtbar machen\u201c von Wolfgang Beywl et al. (2023, S. 136f.) mag hier eine Hilfestellung u.a. mit dem reziproken Lesen geben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Visuelle Hilfsmittel<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Markieren und Anmerkungen machen<\/strong>: Untersuchungen haben gezeigt, dass das Anfertigen von Notizen und das Markieren von Texten das Leseverst\u00e4ndnis verbessern k\u00f6nnen, da diese Techniken das aktive Engagement mit dem Text f\u00f6rdern (<a href=\"https:\/\/files.eric.ed.gov\/fulltext\/EJ1165440.pdf\">S\u00f6nmez &amp; Sulak 2018<\/a>).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Visuelle Organisatoren<\/strong>: Die Verwendung von Mindmaps und visuellen Organisatoren hat sich als wirksam erwiesen, um die Struktur und Hauptpunkte eines Textes zu erfassen und zu organisieren. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Welche Visualisierungsprinzipien werden bereits in unserer Bildungseinrichtung genutzt? Das Visualisierungsprinzip von <a href=\"https:\/\/www.cornelsen.de\/produkte\/seminardidaktik-wege-und-werkzeuge-fuer-die-zweite-phase-der-lehrer-innenbildung-buch-mit-materialien-ueber-webcode-9783589168859?adword=MS-KID_377870913-BTS-ISBNs-ohne-Reihen-PSP_0104-KMM00001_IK\/AID_1255642919576108-P-Titel-ISBN-9783589168859-Didaktik-P\/\/&amp;&amp;msclkid=7048bd9b62581a9cce26dbf67b437182&amp;gclsrc=ds\">Carola Junghans (2022)<\/a> (Seite 105) kann hier sehr hilfreich sein. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Navigation verbessern<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Einsatz von Inhaltsverzeichnissen und Hyperlinks<\/strong>: Studien zeigen, dass das Verst\u00e4ndnis von Hypertextstrukturen und die effektive Nutzung von Inhaltsverzeichnissen und Hyperlinks das Navigieren und Verstehen von digitalen Texten erleichtern kann.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Vermeidung von Scrollen<\/strong>: Untersuchungen haben gezeigt, dass das Scrollen die kognitive Belastung erh\u00f6ht und das Leseverst\u00e4ndnis beeintr\u00e4chtigen kann (<a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1177\/0018720809352788\">Sanchez &amp; Wiley 2009<\/a>).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Wie gestalte ich meine digitale Informationsaufbereitung strukturell? Vermeide ich die Notwendigkeit des Scrollens und arbeite ich mit Inhaltsverzeichnissen und Hyperlinks?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Digitale Lesekompetenzen entwickeln<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Umgang mit Ablenkungen<\/strong>: Forschungen haben gezeigt, dass digitale Ablenkungen die Aufmerksamkeit und das Verst\u00e4ndnis beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen (<a href=\"https:\/\/psycnet.apa.org\/record\/2013-32387-045\">Rosen et al., 2013<\/a>). Strategien zur Minimierung dieser Ablenkungen sind daher entscheidend.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Verst\u00e4ndnis von Multimedia-Inhalten<\/strong>: Untersuchungen belegen, dass das Verstehen und Integrieren von Multimedia-Inhalten das Leseverst\u00e4ndnis unterst\u00fctzen kann (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-662-54368-9_4\">Mayer, 2009<\/a>).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Geben die Lernenden zu Beginn der Stunde ihre Handys ausgeschaltet ab und werden diese aus dem sichtbaren Raum verbannt? Habe ich mir weiterhin Gedanken \u00fcber diverse digitale und analog Zugangsweisen in einer abwechslungsreichen Mischung Gedanken gemacht, so dass mein Material zu den <a href=\"http:\/\/www.scienceblog.co.uk\/de\/die-theorie-der-multiplen-intelligenzen\/\">multiplen Intelligenzen<\/a> passt?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Interaktive und adaptive Lernwerkzeuge<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Interaktive Lesetools und adaptive Lernplattformen<\/strong>: Interaktive und adaptive Lernplattformen, die sich an das Leistungsniveau der Sch\u00fcler anpassen, k\u00f6nnen das Engagement und das Verst\u00e4ndnis verbessern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Auch hier spielt wieder die Vielfalt an Zugangsweisen eine Rolle. Gerade die Adaptivit\u00e4t von digitalen Informationsdarbietungen im OER-Bereich sollte aber mit der F\u00f6rderung von Lesestrategien digitaler Produkte zusammengedacht werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Tiefes Lesen und kritische Analyse<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Tiefes Lesen \u00fcben und kritische Analyse<\/strong>: Untersuchungen haben gezeigt, dass tiefes Lesen und kritische Analyse zu einem besseren Verst\u00e4ndnis und einer besseren Bewertung von Texten f\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Diskussionsimpuls:<\/strong> Wie intensiv erm\u00f6gliche ich ein tiefergehendes Lesen durch eine methodische Gestaltung dieses Verstehensprozesses z.B. durch reziprokes Lesen und somit durch eine Visualisierung des Lernprozesses.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Mangen, A. (2020) (Textauszug Seite 9 unten bis 10 in der deutschen \u00dcbersetzung):<\/strong><br>\u201cImmer mehr Lekt\u00fcre in und au\u00dferhalb der Schule findet auf Bildschirmen verschiedenster Art statt. Zu Hause nutzen Kinder Computer und mobile digitale Ger\u00e4te vor allem f\u00fcr aktuelle Nachrichten, soziale Kontakte und Kommunikation, die Suche nach Informationen, Unterhaltung, Filme und Musik (Livingstone et al., 2014). Da beim Online-Lesen in der Regel eher \u00fcberflogen und gescannt wird als zum Vergn\u00fcgen oder zum Lernen, ist es m\u00f6glich, dass einige Kinder ein Bildschirmleseverhalten entwickeln, das f\u00fcr ein tiefes Lesen zum Verstehen nicht f\u00f6rderlich ist. Wolf (2018) bezeichnet dies als &#8222;bleeding over&#8220;-Effekt [m\u00f6gliche \u00dcbersetzung von <em>bleeding over<\/em> ist <em>\u00fcberlaufend<\/em>]. Wenn das Bildschirmlesen von Kindern an Lesestrategien angelehnt ist, die f\u00fcr schnelles und oberfl\u00e4chliches Lesen effizient sind, k\u00f6nnte dies erkl\u00e4ren, warum viele Sch\u00fcler in unserem Experiment beim CBA-Lesen (computerbasiertes Assessment) schlechter abschnitten als beim PBA-Lesen (papierbasiertes Assessment). Mit anderen Worten: Die Unterschiede im Lesemodus k\u00f6nnten darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass die Kinder ein Lese- (und Schreib-) Verhalten adaptieren das durch die h\u00e4ufige Nutzung digitaler Medien gepr\u00e4gt ist (Baron, 2015), und nicht auf einen Mangel an solchen Erfahrungen. Dies erkl\u00e4rt auch, warum der Lesemodus besonders die leistungsst\u00e4rksten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (h\u00e4ufig M\u00e4dchen) zu beeinflussen scheint, wenn ihr Lesen und Reagieren in der CBA durch Lese- und Schreibstrategien beeinflusst wird, die sie beim Lesen und Schreiben auf ihren digitalen Ger\u00e4ten anwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lesen langer Texte, insbesondere das Lesen von B\u00fcchern, ist ein starker Pr\u00e4diktor f\u00fcr die Lesef\u00e4higkeit (Cunningham &amp; Stanovich, 1997), auch in unserem digitalen Zeitalter. Pfost, D\u00f6rfler und Artelt (2013) fanden in einer deutschen L\u00e4ngsschnittstudie heraus, dass die besten Leser h\u00e4ufig B\u00fccher lasen, w\u00e4hrend die schlechtesten Leser (von f\u00fcnf Kategorien) wenig lasen, aber digitale Ger\u00e4te ausgiebig f\u00fcr soziale Kontakte nutzten. Die schlechtesten Leser lasen keine B\u00fccher, und Pfost et al. (2013) stellten sogar fest, dass sich ihre Nutzung digitaler Medien negativ auf die Leseleistung auswirkte. Duncan et al. (2016) fanden ebenfalls heraus, dass traditionelles (gedrucktes) Lesen die F\u00e4higkeit zum Leseverst\u00e4ndnis vorhersagt, digitales Lesen hingegen nicht. In Erweiterung dieser Forschungslinie und unter Verwendung der PISA-Datenbank 2009 mit Daten von mehr als 250 000 Jugendlichen aus 35 OECD-L\u00e4ndern fanden Jerrim und Moss (2019) Hinweise darauf, dass Jugendliche, die mehr Zeit mit dem Lesen von belletristischen Texten verbringen (typischerweise Romane und Geschichten in B\u00fcchern) signifikant bessere Lesef\u00e4higkeiten haben als Gleichaltrige, die keine oder weniger Belletristik lesen. Die Autoren nennen dies den &#8222;Fiction-Effekt&#8220;, da kein Zusammenhang zwischen der H\u00e4ufigkeit des Lesens von Sachb\u00fcchern, Nachrichten, Zeitschriften oder Comics und der Lesekompetenz festgestellt wurde (Jerrim &amp; Moss, 2019). Da das Lesen von Langtexten bekannterma\u00dfen die Lesef\u00e4higkeit f\u00f6rdert, hat das Lesen von Langtexten nach wie vor sowohl in Schulen als auch in digitalen Lesetests ihren Platz. K\u00fcnftige digitalisierte Lesetests k\u00f6nnten den durch das Scrollen verursachten Modus-Effekt abmildern, indem nur das Lesen kurzer Textpassagen gemessen wird. Dies k\u00f6nnte jedoch die Validit\u00e4t von Leseverst\u00e4ndnistests gef\u00e4hrden, da es schwieriger wird, tiefes Verst\u00e4ndnis und Reflexion zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Suang, Chang und Liu (2016) auf mehrere Studien verweisen, die positive Lernergebnisse dokumentieren, wenn digitale Technologien im Unterricht eingesetzt werden, wurde keine konsistente Korrelation zwischen den Investitionen eines Landes in digitale Technologien f\u00fcr die Bildung und den Ergebnissen bei der Kompetenzmessung in den Bereichen Lesen, Naturwissenschaften und Mathematik, wie sie in PISA (OECD, 2015) gemessen werden, gefunden. <strong>Es scheint wahrscheinlich, dass digitale Ger\u00e4te f\u00fcr konkrete, kurzfristige Lernziele n\u00fctzlich sind, w\u00e4hrend komplexe kognitive F\u00e4higkeiten wie das Leseverst\u00e4ndnis am besten durch das traditionelle Lesen von Druckwerken entwickelt werden. <\/strong>Lesef\u00e4higkeit ist ein langfristiges Lernen, das sich im Laufe des Lebens entwickelt. St\u00f8le und Schwippert (2017) fanden zum Beispiel heraus, dass der Zusammenhang zwischen dem Lesen von B\u00fcchern und den Leistungen im digitalen ePIRLS (elektronische internationale Studie \u00fcber Lesekompetenz der 4. Klasse) viel st\u00e4rker war als der zwischen der Nutzung digitaler Medien (zu Hause und in der Schule) und den Leseleistungen im digitalen ePIRLS. Wir brauchen ein differenzierteres Bild davon, wof\u00fcr die verschiedenen digitalen Technologien gut sind und wann das gedruckte Langformat (Buch) zum Lernen vorzuziehen ist. Wir m\u00fcssen auch wissen, ob die CBA oder die PBA gerechtere Ergebnisse bei der Bewertung des Leseverst\u00e4ndnisses junger Leser liefert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zusammenfassung hei\u00dft es sp\u00e4ter:<br>\u201e<strong>Die Feststellung, dass die negativen Auswirkungen des Bildschirmlesens bei den leistungsst\u00e4rksten M\u00e4dchen besonders ausgepr\u00e4gt sind, gibt Anlass, die Annahme zu \u00fcberdenken, dass die Digitalisierung nur oder haupts\u00e4chlich f\u00fcr die schlechteren Leser einen Unterschied macht.<\/strong>\u201c <br><em><br>\u00dcbersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Resultierende R\u00fcckschl\u00fcsse &#8211; eine Positionsbestimmung<\/strong><br>Die Aufgabe des Bildungssystems ist es nun, diese Erkenntnisse an weiterf\u00fchrenden Schulen als Grundlage f\u00fcr p\u00e4dagogische Entscheidungen zu nutzen. Die Nutzung von Bildschirmen zur Informationsaufnahme gilt es unserer Meinung nach zumindest in den Jahrg\u00e4ngen 5 und 6 sehr stark zu hinterfragen. Es sollten behutsam Lesestrategien f\u00fcr die Aufnahme von Informationen \u00fcber Bildschirme erworben werden. Mit Blick auf Hirnforschungserkenntnisse w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t sollte der Einsatz von Bildschirmen als Informationstr\u00e4ger auch in den Jahrgangsstufen 7 und 8 nur sehr vorsichtig get\u00e4tigt werden. Vielmehr gilt hier weiter ein sensibler Einsatz von Bildschirmen in der Informationsaufnahme und eine Festigung der erworbenen Lesestrategien auf Displays. Zu betonen ist hier nochmals, dass es um die Aufnahme von Informationen geht. Der Aspekt der Lerndokumentation, der Sichtbarmachung des Lernertrags, ist hiervon zun\u00e4chst einmal ausgenommen. Es gilt aber auch hier die Frage, wieviel Bildschirm zur Dokumentation ben\u00f6tigt wird, mag doch das Lernergebnis gleichzeitig auch wieder eine Information f\u00fcr andere Lernende sein. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"span-reading-time rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">Lesedauer<\/span> <span class=\"rt-time\"> 7<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span>Diese Frage stellt sich nicht zuletzt nach der Technisierungsinitiative deutscher Schulen in den letzten Jahren. Wenn es darum geht Informationen zur weiteren Verarbeitung aufzunehmen stehen viele Lehrkr\u00e4fte, Eltern und Sch\u00fcler*innen vor der Frage \u201eDisplay oder Papier? 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